Wer hochintelligenten Gehirnen beim Denken zusieht - und das ist mit speziellen bildgebenden Verfahren heute möglich - der muss ihnen wohl oder übel zugestehen, dass sie ihr Oberstübchen einfach effizienter nutzen: Während unser Standardhirn bei schwierigen Aufgaben in hektischer Aktivität Informationen von einem Areal ins andere schickt, bleibt das Superhirn gelassen und erarbeitet dasselbe Resultat mit viel weniger Aufwand. Hohe Intelligenz ist, hirnpsychologisch gesehen, somit nichts anderes als gekonntes Energiesparen.
Generell steckt in dieser Energiesparfähigkeit durchaus ein Mehrwert. Im Einzelfall bzw. im Falle umgrenzter Kompetenzbereiche braucht sich der geistig schlichtere Typ jedoch nicht zu verstecken. Geht es um vertraute Aufgaben, macht immer noch die Übung und nicht die Intelligenz den Meister.
Hirnforscher der Universität Graz haben in einem sehr praxisorientierten Test nachweisen können, dass Intelligenzunterschiede keinen nennenswerten Einfluss auf die Fähigkeiten in einem bestimmten Fachgebiet haben. Dazu wurden 31 Grazer Taxifahrer mit ungleichen Intelligenzleistungen einem zweiteiligen Test unterzogen.
Im ersten Teil blieben die Berufskutscher auf vertrautem Terrain. Eine Route in Graz wurde vorgegeben - und dann lief die Uhr. Aus einer Liste von Straßennamen mussten diejenigen Straßen herausgefunden werden, welche die Route kreuzten. Gleichzeitig maßen 31 Elektro-Enzephalographen (EEG) die Hirnaktivität der Testpersonen. Obwohl kein gleiches Intelligenzniveau vorlag, unterschieden sich die Messergebnisse kaum. Alle Taxifahrer lösten die Aufgabe ohne große geistige Anstrengung.
Bei der zweiten Aufgabe sah die Sache schon anders aus. Auf einer fiktiven Straßenkarte musste eine bestimmte Fahrtroute innerhalb von 30 Sekunden behalten werden. Danach erschienen auf einer Blankokarte eine Reihe von roten Punkten, und es musste entschieden werden, ob diese Punkte auf der Route lagen oder nicht. Die zweite Aufgabe wurde von den intelligenteren Taxifahrern weit energiesparender gelöst als von ihren weniger intelligenten Kollegen.
Lernforscher sind von diesem klaren Ergebnis nicht überrascht, bestätigt es doch die Resultate psychologischer Untersuchungen: Vorwissen und Übung können eine niedrige Intelligenz kompensieren, umgekehrt aber kann eine hohe Intelligenz fehlendes Wissen nicht ausgleichen. Soweit die Intelligenz ausreicht, um bestimmte Fähigkeiten zu erwerben, können auch Menschen mit weniger Grips gute Leistungen erbringen - mit demselben energiesparenden Hirneinsatz wie die Hochintelligenten.