Kredit-Angebote: Wer vergleicht, wird bestraft!

Gewissenhafte Verbraucher vergleichen – auch bei Kreditangeboten. Doch dass sich dies negativ auswirken kann auf die eigene Bonität und damit auf die angebotenen Zinskonditionen, zeigt ein aktueller Test von plusminus.

 

Das Szenario: Ein Kunde holt von verschiedenen Banken Vergleichsangebote für einen Kredit ein. Da immer mehr Banken für normale Ratenkredite nicht mehr einheitliche, sondern individuelle Zinssätze vergeben, gehen diese ihrerseits hin und stellen eine Bonitätsanfrage bei der SCHUFA (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung). Die Höhe des Zinssatzes richtet sich dann nach der Bonität des Kreditkunden. Wer über eine gute Bonität verfügt, zahlt weniger Zinsen - wer eine schlechtere Bonität hat, zahlt hohe Zinsen. Die individuellen Zinssätze können dabei erheblich differieren, die Spannbreite schon mal zwischen 5 und 14 Prozent liegen.

 

Die SCHUFA speichert u.a. Daten über laufende Kredite, Kreditkarten, Girokonten, aber auch über laufende Mobilfunkverträge. Des weiteren wird vermerkt, ob ein Kunde in der Vergangenheit seinen Zahlungsverpflichtungen nachgekommen ist oder nicht.

 

Die Krux der Geschichte: Auch Bonitätsabfragen bleiben bei der SCHUFA zunächst gespeichert, selbst wenn im Anschluss kein Kreditvertrag zustande kommt. Das heißt, wer vergleicht, über den werden die verschiedenen Bonitätsabfragen bei der SCHUFA gespeichert, und die Informationen darüber an neu anfragende Banken weitergegeben. Viele Banken interpretieren das Vorliegen vieler Bonitätsabfragen negativ und kalkulieren ihre individuellen Zinssätze entsprechend schlechter. Die Banken sehen in den SCHUFA-Anfragen ein ‚signifikantes Merkmal’ und das, obwohl die Anfrage selbst ein rein neutrales Merkmal ist, das lediglich der Dokumentation dient.

 

Die Interpretation zu Ungunsten des Kunden: Eine große Zahl von Kreditanfragen innerhalb weniger Tage legt die Vermutung nahe, dass der potenzielle Kunde Schwierigkeiten hatte, bei einem anderen Institut einen Kredit zu bekommen.

 

Der plusminus Test zeigt deutlich, dass sich bei vielen Banken die Kreditzinsen verschlechtern, wenn der Kunde bereits bei anderen Kreditinstituten Angebote eingeholt hat und diese dafür bei der SCHUFA seine Bonität abgefragt haben. Im schlimmsten Falle kann es so bis zur Kreditunwürdigkeit kommen.

 

Ein Kunde, der Kreditangebote vergleicht, weil es bei vielen Banken keine festen, sondern individuelle Zinsen gibt, wird von den Banken faktisch als höheres Ausfallrisiko angesehen - die Konditionen verschlechtern sich. Im Endeffekt bedeutet dies, wer vergleicht, wird bestraft!

 

Die schlechte Nachricht zum Schluss: Viel kann ein Kunde dagegen derzeit nicht tun. Wenig verbraucherfreundlich, aber eine Möglichkeit: Zwischen der einen und der nächsten Anfrage zehn Tage vergehen zu lassen. Nach zehn, spätestens 14 Tagen werden die Bonitätsanfragen bei der SCHUFA gelöscht, wenn kein Kreditvertrag zustande kam. So kann die Suche nach der günstigsten Bank aber schon mal ein paar Monate dauern.

 

09/05