Kunst & Versicherung

9 Tipps, die die Pflege Ihrer Kunstwerke erleichtern. 

 

Tipp 1. Bester Bildhintergrund: Holz
Aus konservatorischer Sicht ist es sinnvoll, Gemälde an holzverkleidete Wände zu hängen, da diese eine Art Klimapuffer bilden. Tipp: Bei verputzten Wänden Weichholz als Klimapuffer hinterlegen. Ungünstig sind Außenwände sowie Treppenhäuser, weil dort eine "Kamin- oder Föhnwirkung" entsteht, das heißt, aufströmende warme Luft trocknet die Bilder aus und bringt Leinwandgemälde zum Vibrieren. Auf keinen Fall sollten die Gemälde über Heizkörper gehängt werden.

Tipp 2. Sichere Hängung: Bildschienen mit Eisendraht
Gemälde werden an gedübelten Haken unmittelbar an die Wand oder an Bilderschienen mit zwei Seilen gehängt (Gewicht beachten!). Bilderschienen haben den Vorteil, eine sichere und variable Hängung zu gewährleisten.
Das beste Seilmaterial ist Eisendraht. Perlonschnüre sind weniger geeignet, da sie sich mit der Zeit dehnen und brüchig werden (Weichmacher).
Tipp: Ein leichtes Schräghängen durch das Vorneigen der Oberkante hilft, Reflektionen zu vermeiden und schafft gleichzeitig Luftraum auf der Rückseite.

Tipp 3. Vorsicht Lux-Gefahr
Kunstwerke werden häufig unter rein ästhetischen Gesichtspunkten "ins rechte Licht gerückt". Nicht selten kann man in Privatsammlungen mehr als 2.000 Lux messen! Räume mit wertvollen Gemälden sollten aber nicht heller als mit 150 Lux bestrahlt werden (das entspricht 60 Watt im Abstand von 1 m zum Objekt). Papierarbeiten vertragen maximal 50 Lux. Vorsicht bei Spots! Sie können unter gleichen Bedingungen für viel höhere Lux-Mengen sorgen. Abzuraten ist von Rahmenleuchten, sog. Klavierlampen. Gefährliche Feinde von Papier und Textil sind Leuchtstoffröhren. Tipp: Auf dunklen Wänden wirken lichtempfindliche Werke auch bei geringer Beleuchtung heller.

Tipp 4. Vor Sonne schützen
Kunstwerke müssen immer vor direkter Sonneneinstrahlung und anderen UV-Quellen geschützt werden. Aquarelle, Fotografien und Papierarbeiten zeigen schon nach wenigen Monaten direkter Sonnenlichteinwirkung Farbveränderungen. Tipp: Empfindliche Werke in Räume mit Nordlicht hängen!

Tipp 5. Optimale Luftfeuchtigkeit 50 - 60 %
Die relative Luftfeuchtigkeit sollte nicht unter 50 % und nicht über 60 % liegen. Zu feuchte Luft führt zu Vergilben, Schimmel und Pilzbefall, zu trockene Luft lässt die Leinwände spröde werden und die Farben reißen. Gefährlich sind Temperaturschocks, z. B. Fenster öffnen an kalten Wintertagen. Tipp: Bei zu trockener Luft helfen Pflanzen und große Wassergefäße. Wirksamer sind mobile Luftbefeuchter und Klimaanlagen.
Die ideale Raumtemperatur liegt bei konstanten 20 °C. Das Raumklima sollte auch bei Kunstwerken, die im Kellerdepot, Tresor oder Speicher länger lagern, von Zeit zu Zeit überprüft werden.

Tipp 6. So finden Sie Ihren Restaurator
Ein guter Restaurator sollte immer nach der Devise arbeiten: "So wenig wie möglich, soviel wie notwendig, jeder Vorgang reversibel". Ansprechpartner: Deutscher Restauratorenverband, Bischofsgarten 1, 50667 Köln, oder die örtlichen Museen. Auch Ihr Kunstversicherer kann Ihnen weiterhelfen.

Tipp 7. Vergessen Sie Tuch und Staubwedel
Kunstwerke regelmäßig zu reinigen, ohne sie zu beschädigen, ist gar nicht einfach. Am besten beschränkt man sich auf das unbedingt Notwendige, denn bereits das Abstauben ist riskanter als man denkt. Lassen Sie diese preiswerten Arbeiten gelegentlich von einem Restaurator ausführen.
Tipp für Mutige: Wattestäbchen, destilliertes Wasser, Kernseife - und Fingerspitzengefühl!

Tipp 8. Firnisabnahme nur vom Profi
Eine "Reinigung" in Form einer Firnisabnahme sollte nur von einem qualifizierten Restaurator durchgeführt werden. Wundern Sie sich aber nicht, wenn Sie dann ein "anderes" Bild erhalten - denken Sie nur an die Sixtinische Kapelle! Tipp: Manchmal lassen sich trübe, dunkle Firnisse sowie Schmutz durch eine veränderte Beleuchtung oder einfach eine andere Wandfarbe "unsichtbar" machen.

Tipp 9. Bitte keine Cognac-Probe!
Nicht selten sind Signaturen unleserlich, an verborgenen Stellen oder durch Manipulation verstümmelt. Am besten wenden Sie sich an einen Restaurator, ihren Kunstversicherer oder Galeristen. Es gibt Möglichkeiten, unleserliche Schriftzüge zu verdeutlichen, aber nur der Fachmann beherrscht entsprechende Techniken. Tun Sie nichts selbst! Noch im 19. Jahrhundert war die "Cognac-Probe" geläufig, bei der die Signatur mit Alkohol eingerieben wurde. Blieb sie, war sie echt, verschwand sie, war sie falsch ...!