Eine jüngst veröffentlichte Umfrage der Dekra brachte eine deutsche Phobie ans Licht. Zwei Drittel der Deutschen fürchten sich davor, im Falle einer Fahrbahnverengung im Straßenverkehr nicht "hereingelassen" zu werden. Neben der Panik beim Einfädeln ergab eine weitere Studie, diesmal von "AutoBild" und der AXA-Versicherung, dass wir zwar gerne neue Autos fahren, aber bei den Autofahrer-Klischees den alten (Stereo)typen treu bleiben.
Die Angst der befragten 1.400 Kraftfahrer erklärt sich aus einem Widerspruch zwischen Straßenverkehrsordnung und Straßenverkehrspraxis. Erstere schreibt vor, dass beim Reißverschluss der Wechsel auf die durchgehende Spur erst ganz vorne, an der eigentlichen Fahrbahnverengung, erfolgen soll. Genau das sieht ein Drittel der Befragten nicht ein. Ganz im Gegenteil: Etwa 30 Prozent finden es "unfair" und sind verärgert, wenn sie rechts überholt werden und den "Drängler" auch noch hereinlassen sollen.
Wer hingegen frühzeitig die Spur wechselt - sich also gegen die StVO entscheidet - macht es in den Augen der Autofahrer richtig, wobei die Frauen hier besonders stark vertreten sind: 38,4 Prozent der weiblichen Verkehrsteilnehmer (und nur 27,1 Prozent der Männer) halten diese Praxis für besser. Experten sehen dies mit unguten Gefühlen. Das frühe Einfädeln stört den fließenden Verkehr weit mehr und ist viel unfallträchtiger.Im Prinzip hat niemand etwas gegen das Einfädel-Prinzip und hält es für sinnvoll (95,6 Prozent), nur ist die Verständigung oft schwierig (finden 61 Prozent). Und damit wären wir bei den Klischees: Ein gängiges lautet: Deutsche Autofahrer können nicht nachgeben. Die Ergebnisse der Dekra-Umfrage sprechen nicht unbedingt dagegen.
Aber auch andere Klischees zeigen keinerlei Alterserscheinungen. Männer gelten nach wie vor als aggressive, risikofreudige und rücksichtslose Primaten auf vier Rädern, wobei die Hubraumgröße sich umgekehrt proportional zur Größe des biologischen Equipments verhält. Die Frauen haben laut Klischee immer noch nicht gelernt einzuparken; sie sind langsame, unsichere und ängstliche Verkehrshindernisse, für die "vorausschauendes Fahren" schon dann erfüllt ist, wenn sie nicht in den Schminkspiegel schauen.
Beide Geschlechter hegen und pflegen ihre Klischees gleichermaßen. In einem Punkt sind sich aber alle einig - und hier offenbart sich das ärgste aller Pkw-Klischees: Alle halten sich für souveräne, defensive und sichere Fahrer.