Können Sie den Reißverschluss?

Richtig einreihen lernt jeder in der Fahrschule - zumindest theoretisch. In der Praxis sieht der Alltag auf deutschen Autobahnen jedoch düster aus. Die meisten haben vom Reißverschluss-Prinzip noch nie was gehört. Wenn dann noch eine übergroße Portion Ego hinzukommt, ist der nächste Stau längst vorprogrammiert. Wenn es eng wird, machen viele erst recht dicht - und das völlig zu unrecht.

In der Straßenverkehrsordnung, §7, Absatz vier, steht geschrieben: "Ist auf Straßen mit mehreren Fahrstreifen für eine Richtung das durchgehende Befahren eines Fahrstreifens nicht möglich oder endet ein Fahrstreifen, so ist den am Weiterfahren gehinderten Fahrzeugen der Übergang auf den benachbarten Fahrstreifen so zu ermöglichen, dass sich diese Fahrzeuge jeweils im Wechsel nach einem auf dem durchgehenden Fahrstreifen fahrenden Fahrzeug einordnen können."

Klingt kompliziert, ist aber eigentlich ganz einfach. Was uns da in Gesetzes-Deutsch erklärt wird, meint nichts anderes als das Reißverschluss-Prinzip. Fahrer auf der endenden Spur sollen sich mühelos jeweils im Wagenwechsel auf die weiterführende Spur einordnen.

Allerdings soll sich der Verkehr erst unmittelbar vor Beginn der Verengung verzahnen. Also: vor dem Hindernis ein Auto von links, ein Auto von rechts - immer brav abwechselnd. Wären da doch bloß nicht diese sturen Spurhalter. Na ja, vielleicht hilft ja das Bußgeld von immerhin ca.10 bis 37 Euro. Geahndet wird nicht nur das "Reinschneiden" der Fahrzeuge auf die durchgehenden Spur, sondern auch das Behindern eines spurwechselnden Autos. Wenn es gar zu einem Unfall kommt, so wird genau ermittelt, inwieweit sich die beteiligten Fahrer an das Reißverschluss-Prinzip gehalten haben.

Cool bleiben lautet die Devise. Achten Sie darauf, dass Sie nicht zu den sturen Spurhaltern gehören und so zum blockierenden Zacken werden.